28.05.02


heute ist der 28.5. hab grad nachgesehen, am 28.4. schrieb ich hier nichts. jedoch eine mail, in der u.a. dies steht:

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"bin ok. nichts ist einfach, doch es geht. am freitag hatte ich sogar einen so fabelhaften tag, daß ich fast übergeschnappt wäre.

und letzte nacht mal wieder schön geträumt - merkwürdig zwar und sehr traurig, aber zugleich sehr schön. hm."


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das brauch ich manchmal, das zurückschauen, überlegen, was eigentlich war vor 4 wochen, einem jahr. an den 28.4. erinnere ich mich gut, es war ein sonntag. die erwähnte mail schrieb ich am morgen, hatte dann einen wahrlich interessanten arbeitstag und plante zwischendurch und am abend meine neuen hp´s. ende mai/anfang juni wollte ich sie "starten".

da wusste ich noch nichts. nichts von der krebserkrankung meines vaters, nichts vom selbstmord meines kollegen, nichts vom arbeitsplatzwechsel auf die schnelle. und ein paar dingen mehr. langsam komm ich zur besinnung.

meinem vater geht es recht gut. er ist sehr hoffnungsvoll und verträgt die chemo nahezu ohne beschwerden.

g.´s tod hab ich begriffen. *nachdenk* soweit es begreiflich ist. bin hin zur wohnung, der ebenerdigen. namenschild war noch dran und durch die fenster sah ich leere, nichts als leere. und traf vor einigen tagen jemanden, der die todesanzeige sah. es ist kein gerücht, g. ist tot.

der arbeitsplatzwechsel ist vollzogen. ich hab einen arbeitsvertrag und in der alten firma alles ordentlich hinterlassen.

es war und ist alles sehr schlimm, die gefühle toben noch und werden noch eine weile toben. doch langsam langsam meine ich, daß mein verstand sich wieder zu ordnen beginnt. irgendwie, wie soll ich sagen, ist es, als wäre ich wieder ein stück mehr dabei. anstatt instinktiv zu handeln.

ok. die dinge sind in worte gefasst.

naja, und das mit den hp´s dauert noch. ist auch nicht wichtig.



27.05.02


"wo soll ich denn hin?"

"immer der nase nach."

"ah, danke."

dem vogel nachsehend gehe ich weiter.



24.05.02


wieder mal, das leben hat die welt gepackt und ist losgerannt. schwer ist es, dabei zu bleiben. bin atemlos und habe seitenstechen. will aber nicht auf der strecke bleiben. also weiter, weiter, ein stück geht noch. wäre das ein wettkampf, leben und welt würden mich besiegen. ist aber nur spiel, glaub ich. bald setz ich mich an den wegesrand und schaue dem treiben ein bißchen zu. aber nicht heute, und morgen auch nicht.






die batterien waren alt und verbraucht.



20.05.02


am mittag
meine kamera ist kaputt und ich bin unglücklich. gestern beim spaziergang zu den eltern, ich wollte diese hübsche schnecke im gebüsch photographieren, das objektiv ging noch auf, dann blinkte es im display und seitdem tut sich nichts mehr. die batterien sind laut batteriemeßgerät (sicher gibt es eine professionellere bezeichnung für geräte dieser art, doch ich bin unglücklich und mag nicht drüber nachdenken) in ordnung. nichts tut sich mehr. der film lässt sich nicht manuell zurückspulen und entnehmen, es wurden 23 bilder bisher gemacht, schöne bilder wie ich glaube. hoffentlich sind sie zu retten.

habs meiner oma erzählt, die war auch bei den eltern und interessiert sich für so sachen. meinte sie, ob ich ihre alte voigtländer gebrauchen könnte, die liegt seit jahren im schrank und keiner nutzt sie mehr. eine alte voigtländer? mein herz strahlt beim gedanken daran. wie lange wünsche ich mir sowas schon. bin gleich mit zur oma hin, aber naja, sie fand die kamera nicht. alle schränke wurden abgesucht, die oma immer hektischer, ich immer - hab mir schon mühe gegeben, die enttäuschung nicht zu spürbar werden zu lassen. wahrscheinlich hat sie die alte voigtländer doch schon mal verschenkt. wahrscheinlich meiner tante in amerika. den satz, naja, wann krieg ich schon mal was, was ich wirklich will und das einfach so, hab ich ihr nicht gesagt. sie war ja dann selber traurig, das mit dem mühe geben gelang mir wohl nicht so gut.

mir fehlt die kamera, wie ich nie gedacht hätte, daß sie mir fehlen könnte. ich hab sie immer dabei, seit jahren, und nun ist sie kaputt. morgen werd ich gleich in die stadt zum photogeschäft fahren und hoffe hoffe hoffe, daß es nur die batterien sind.

erwähnte ich schon mal, daß eine der neuen hp´s eine reine photopage werden wird, eine wortlose homepage auf der, wie ich hoffe, bilder für sich sprechen?


am abend
zufällig bin ich dann heute noch hier gelandet. das war schön. schon der weg hin war schön, kniehohe wiesen mit butterblumen, wiesenschaum, glockenblumen und all diesen blumen und gräsern, deren namen ich nicht weiss. die blätter des sauerampfers schmeckten so sauer wie die blütenkelche des roten klees süß.

das alles war auch ohne photographieren schön. ich muss keine besonderheiten festhalten (und dieser ausflug war was besonders), ich will den alltags-augenblick behalten.

wie damals, in paleokastritsa. auf dem kleinen boot in der bucht, was hab ich geschaut, gestaunt. ein paar bilder gemacht und weiter geschaut. als einer der männer fast aus dem boot kippte, fiel es mir auf wie nie, es gibt leute, welche die welt übersehen beim versuch, schöne photos zu machen. es gibt leute, welche in einer ca. 20-minütigen bootsfahrt die farben des wassers, die formen der felsen, die fische und wolken nur durch den sucher einer maschine wahrnehmen. es gibt leute, welche die ruhe des augenblicks stören beim anheischen der ehefrau, weil diese den neuen film nicht schnell genug auspackt.

beim rückerinnern fand ich noch diesen schönen ort, von dem ich kein einziges photo habe.



19.05.02


zwei alte damen, sie kennen sich nicht, zufällig haben sie nebeneinander platz gefunden. die eine sinniert. "es ist schon wichtig, sich mit dem thema zu beschäftigen. mich hat das schon immer interessiert, 1970 war ich in auschwitz. damals war das noch anders, damals fuhr noch nicht jeder hin. es war beklemmend, wir waren bedrückt. ich hab mich meiner freundin darüber unterhalten. der mann stand eine weile bei uns, hörte uns wohl zu, ich glaube, er war pole oder so, dann sagte er: "ich höre ihre sprache. und ich hasse sie."

es ist still.

die andre dame, die kleine mit den auffallend hellen, neugierigen augen dann. "es kann auch anders sein. ich war anfang der siebziger in israel, in jerusalem. wir liefen durch die straßen, da trat ein alter jude auf uns zu, mit weissen locken. er fragte mich, woher ich käme. deutschland war meine antwort, doch er wollte die stadt wissen. mir war beklommen zumute, und ich stockte bei der antwort, doch sagte es: nürnberg. der mann nickte, als hätte er sich es gedacht: "stadt der rassengesetze ... doch ich weiss," - und er legte seine hand auf meine schulter - "ich weiss, sie können auch nichts dafür".






ich hab meinem kollegen erzählt, daß ich krawatten als gürtel getragen gut finde. doch leider keine krawatte habe. nun hab ich einen ganzen karton voll. es sind sehr schöne darunter. mein opa hat mir, als ich klein war, das binden der krawattenknoten beigebracht, doch ich hab es nicht mehr hinbekommen. beim suchen im netz fand ich dann das. nebenbei auch noch wirklich hilfreiches zu einer sache, mit der ich mich seit vielen jahren plage. es funktioniert! einigermaßen jedenfalls.



18.05.02


irgendwo schrieb sperber von der unfähigkeit des menschen, der unfähigkeit einen neuen lebensabschnitt zu dessen beginn zu erkennen. ich finde die stelle nicht mehr und bin zu müde, um die letzten ca. 150 s. abzusuchen. ich meine, es war auf einer rechten seite ziemlich in der mitte.

jedenfall hat er es - mal wieder - gut getroffen. wie oft hält man inne, sein leben und den jeweiligen standort betrachtend, sich fragend, wie um alles in der welt man nun gerade da hin gekommen ist. wo, wann begann dieser weg? rechnest du dann auch manchmal zurück und staunst? welche belanglosigkeit, scheinbare belanglosigkeit war das doch damals, die dein leben, vielleicht auch dich, so verändert hat. vielleicht grämst du dich und meinst, wenn du nur das ausmaß der (scheinbaren) belanglosigkeit erkannt hättest, dann, ja dann wärst du diesen weg nicht gegangen. vielleicht freust du dich auch: weil das geschehen dich auf einen guten weg geführt hat.

das nämlich ist das grausame an bestimmten dingen: das ungewohnte sofortige erkennen, daß sich nun alles ändert, daß du nichts ändern kannst, auch nicht morgen oder nächste woche, es ist von einer stunde zur nächsten alles anders und so bleibt es nun. das ist man nicht so gewohnt, die blitzartige veränderung.



15.05.02


spinne am morgen ... bringt oder vertreibt sie kummer und sorgen? das bestialische tier, das sich heute am frühen morgen sehr knapp vor meinem gesicht herabließ (fast wäre sie an meiner nasenspitze angestossen) ist wohl für beides zuständig.

eine sorge weniger: ich hab den job, um den ich mich seit september bemühe (so gut wie sicher jedenfalls - noch kein arbeitsvertrag, doch der letztendlich zuständige herr wird schon nicht komplett beschränkt sein. und das wäre er, wenn er mich nicht nähme. es gibt in dem fall niemand, der besser ist als ich. ist so).

eine sorge vertrieben, viele sind geblieben.

und eine zusätzliche: daß ein bestialisches tier nicht unter der couch bleibt. wo es heute morgen hin entfleuchte und ich mit dem staubsauger hinterher zu langsam war.

es ist schon gut und richtig so, daß einem angesichts von krankheit und tod nicht plötzlich alles egal wird. sonst könnte einem das leben ja von anfang an egal sein.



12.05.02


Und nun? Das WE ist vorüber, geschafft. Und nun? Pure Erschöpfung und schier grenzenlose Zappeligkeit. In 39 Stunden, von denen 20 mit Arbeiten und 6 mit damit verbundenen Wegen verbracht werden, sind mir drei Stunden Schlaf zuwenig. Unruhiger Schlaf. In seiner Wirrniss brannten kleine Kinder.

Wirr bin ich auch. Außer vom Schlafmangel von Eindrücken, Feststellungen, Gedanken.


Beeindruckt hat mich dieser Film letzte Nacht. Erinnerte ein wenig an Vergangenheit. ("Hallo! Heute zeigen wir euch mal einen Film. Einen besonderen Film. Gemacht haben diesen Film der Herr Fischli und der Weiss. Der Herr Fischli und der Herr Weiss sind richtige Künstler, die in der Schweiz leben und der Armin hat die zwei dort besucht")


Festgestellt hab ich, daß ich keine besondere Behandlung aufgrund der Familiensituation will. Absolut nicht. (Ich frage die Kollegin, ob sie den Dienstag gegen den Samstag tauschen könnte. Sie druckst, möchte lieber nicht, aber najaaaa, wenn ich keinen andren finde, ok. Hinterher die Frage, wie es mir geht, und ich berichte kurz von der Krankheit meines Vaters.
- "Oh! Entschuldige! Hättest Du das doch gleich gesagt!" - Nein. Eben nicht.)


Gedacht hab ich heute viel an G. Hab oft mal an ihn gedacht, meinen "Lieblingskollegen" bis zu seiner Kündigung, fand es schade, daß der Kontakt nicht innig genug war, um diese Kündigung zu überdauern. Es gab einige offenkundige, einige geahnte Gemeinsamkeiten. Zum letzten Mal dachte ich an ihn am 9. Mai, das weiss ich genau, beim Spazierengehen lief ich in der Nähe seiner Wohnung und hätte es schön gefunden, ihm zu begegnen. Nur war er da schon tot. Hat sich am 1. Mai umgebracht.



11.05.02


vielleicht nächstes jahr? vielleicht werde ich nächstes jahr das hier einmal nicht daran mitarbeitend, sondern konsumierend erleben. könnte ja auch schön sein.

und da die nacht umrahmt ist von einem ganz normalen arbeitswochenende, dürften ablenkung und guter schlaf morgen abend sicher sein.



09.05.02


morgens im zug
meist fahr ich an feiertagen gern früh zur arbeit. es ist ruhig im zug, ruhig auf den straßen. heute ist es anders, heute ist fronleichnam himmelfahrt und außerdem vatertag. sie sind nicht mit bierfässern unterwegs, aber in horden. sie sind gerüstet und gespornt, mit aufgesetzten käppis, rucksäcken und guter laune. im laufe des tages wird bierlaune draus werden.
vatertag also.
mein vater war nie ohne seine familie unterwegs, auch nicht am vatertag. heute im laufe des tages wird er sich zur stationären aufnahme in´s krankenhaus begeben. sich morgen einer kleinen, vorbereitenden op unterziehen. vorbereitend auf die nebenwirkungen der bestrahlungen, die ab nächster woche durchgeführt werden. denen sich eine chemotherapie anschließen wird. vielleicht wird das karzinom dadurch operabel. so hofft man.


vormittags in der arbeit
wie nie zuvor die bedeutung begriffen, richtig tief drin: "das stellt alles andre in den schatten". für einige tage war alles andre in den schatten gestellt. doch sonne wandert und wolken verändern sich, auch der schatten hält seine form nicht. und einiges ist wieder rausgetreten, in´s licht gerückt sozusagen. schmerzliches und freudiges, genaugenommen zwei, bzw. drei dinge. das sind wohl die wirklich wichtigen dinge. und all das andre?


mittags auf dem nachhauseweg
ich verzichte auf die u-bahn und laufe 1,5 std. zum bahnhof. mag den weg entlang am fluß. allerdings nicht an feiertagen, doch das weiss ich erst seit heute. es scheint nicht so üblich zu sein, an freien tagen bis mittags zu schlafen und es sich zuhause gemütlich zu machen. gut so, nicht nur vater-, auch familientag.
ein kleiner junge pflückt einen blumenstrauß.


nachmittags zu hause
das laufen war gut. mein kopf ist wie ausgedacht, leergedacht meine ich. einen hilfreichen gedanken habe ich gefunden und ohne jede ironie, er lautet "das wird schon". vielleicht weil das das einzig sichere ist? es wird werden, so oder so oder anders.





und sonst? war ich vor ewigkeiten, wie es scheint, dabei ist es erst 10 tage her, hier. war gut, und das beste, mein sohn will nach dieser seiner premiere nun öfter in´s theater.


und noch ein link, am besten nur anklicken, wer grad viel zeit hat.


und außerdem sind seit kurzem zwei wohlklingende domainnamen nicht mehr im handel. aber das dauert alles noch eine weile.


und nach drei stunden dies schreiben trotzdem sich ca. 80 % davon bereits auf dem block befanden geh ich nun schlafen.


07.05.02


es scheint nur mit phrasen beschreibbar. diese tage, die wie ein erwachen sind. wie nüchtern werden. zähes erwachen, langsames nüchtern werden wie nach tagelangem rausch. an so einem tag steht man irgendwann auf dem balkon, betrachtet die umgebung, die eigentlich vertraute, und fühlt sich fremd. das gefühl, erst nur ein ahnen, wird deutlich: die welt scheint eine andre zu sein als sie es noch vor einer woche war. vor einer woche (oder so) nämlich machte es "wusssssch" und du fielst in den nebel. dem du heute hoffst entronnen zu sein. du schaust und schaust, die bäume, das grün, ein zug fährt vorbei. langsam begreifst du, die welt ist unverändert. die zeit war zu kurz für all das geschehen. du gehst zum spiegel, siehst hinein und suchst dich. weisst, du wirst finden. in der zwischenzeit kannst du ebenso gut aufräumen. und einkaufen gehen, tomaten, trauben, avocado. gesunde ernährung ist wichtig.



04.05.02


Alles neu, macht der Mai,

macht er auch Älis frisch und frei?





Die Homepage ist geschlossen. Stillgelegt. Nicht gelöscht. Hier wird sich nichts mehr tun. Meine letzte Aktion war, sie, die hp, in den besten ihrer Zustände zurückzuführen, den sphärischen nämlich (Gruß an Grapf).
Und besten Dank und allerliebste Grüße an franz und dark*.

"Man sollte aufhören, wenn´s am Besten ist" pflegte der Ehemann meiner Ex-Schwiegermutter in Spe zu sagen. Hier hatte ich es verpasst. Auch wenn ich oft anderslautende Meinungen hörte ("eine hp wird niemals fertig") - meine hier ist fertig. Ich bin fertig mit ihr. Erwähnte ich schon mal, daß ich Abschiede nicht mag?

Evtl. schreibe ich das weblog weiter. Das weiss ich noch nicht. Eigentlich weiss ich nur eins: Ich will nicht so werden, wie ich nie sein wollte.