Weißer Badeschaum - unzählbare kleine Seifenblasenglitzerperlen, blinkern, schillern, vergehen. Pulsierendes Gebirge, lebender Stein. Verträumt fällt der Regen.
Wenn der Damm gebrochen ist, wird es still dort sein.
Ein Herz aus Staub gemacht, so behütet, so umsorgt, dann mit einem Handstreich vernichtet.
Ja, nur gut gemeint, doch ist es weg, das Herz, es bleibt spiegelnde Kälte.
Hinter mir knallt die Peitsche, hopphopp voran! ruft die Kutscherin und drischt auf mich ein; mühsam ist´s, den Wagen durch den Schnee zu ziehen.
Der Jongleur. Da sitzt er nun in seinem Haus, auf dem Tisch liegen Mandarinenschalen. Die Blumen sind vertrocknet, die Uhr steht still. Große Ruhe. Der Jongleur hört ihr zu, denkend an´s Irgendwo, dort hatte er Bälle gefunden, fünf Stück. Und er jonglierte. Fünf bunte Bälle wirbelten und schlugen Purzelbäume in der Luft, wie schön!, was für ein Glück! Der erste Ball fiel in den Tiefen Abgrund, den zweiten trug der Sturm mit sich, den dritten fing ein Stymphalischer Vogel im Flug, den vierten schleuderte er wütend in´s Dornengestrüpp. Den fünften steckte er in die Hosentasche und verließ das Irgendwo. Mit einem Ball kann keiner jonglieren.
Während des Träumens dachte ich noch wie schön!, ein ganz normaler angenehmer Traum - einen guten Freund traf ich (Hallo Dirk :-), den ich aufgrund der Hunderte von zwischen uns liegenden Kilometern seit Jahren nicht mehr sah - steh an der Straße, seh ihn um die Ecke biegen, freu mich, renn auf ihn zu, seh sein Strahlen im Gesicht und alles ist gut. Wir gehen zu seinem Auto, dort wartet sein kleiner Sohn mit einem Freund auf uns. Sie erzählen mir vom Hund, der gestorben ist, weil er sehr krank war. Über´s Sterben reden, die kleinen Kindergesichter sind zugleich neugierig und ein bißchen traurig, der Verlust des Hundes ist noch frisch. Der freudigen Stimmung über das Wiedersehen schadet das Thema nicht, im Gegenteil, die Atmosphäre ist vertrauensvoll und angenehm.
Ein ganz normaler schöner Traum also, wenn da nicht plötzlich ...
... diese Geräusche im Kofferraum zu vernehmen gewesen wären. Hineinschauen, darin eine sehr große zappelnde Ledertasche. Die Töne kommen aus der Tasche ... Tasche öffnen, vorsichtig, und heraus schaut Lothar Matthäus.
Es ist nur ein Bayer, sage ich zu meinem Freund, laß ihn ruhig drin. Proteste aus der Tasche, er sei kein Bayer, sondern ein Franke. Ich erkläre Herrn Matthäus im breitesten Fränkisch, dessen ich mächtig bin, daß er ruhig zu sein hat. Wirklich beeindruckt scheint er nicht, klettert aus dem Wagen und fragt, wo hier das nächste Möbelhaus sei.
schweiß auf der stirn, schweiß überall. klebrig fühlen, klebrig denken. gänsehaut, zittern und schwitzen. schweiß und schmerz. schmerz überall. schmerz tut weh. schwach fühlen, schwach sein. fiebermessen: 35, 76°C - gesundsein
irgendwo weint ein kind, draussen fährt ein güterzug. rattam rattam rattam.
Je mehr schöne Dinge ich sehe, erlebe, empfinde, desto trauriger werde ich. Derzeit erlebe ich viele schöne Dinge. Schöne elende Traurigkeit.
Ich beobachte den kleinen hübschen Flieger über mir. Wie ein Schmetterling fliegt er, systemlos scheinbar, sich neugierig hier und dort umschauend. Ich möchte so gern drin sitzen und die Welt von oben sehen. Er dreht ab, entfernt sich, ich bleibe sehnsüchtig zurück. Da kehrt er um, direkt auf mich zu, ist nun nah und ich erkenne den Piloten, ich kenne ihn auch, trau mich nicht winken. Der Flieger senkt sich, die Tür geht auf und ich steige ein. Während ich noch fassungslos vor Glück staune, heben wir uns in die Luft.
Grad feiert Ulf Geburtstag. Ich geh mal davon aus, daß er heute auch Geburtstag hat und wünsche das Beste. Und eine schöne Feier. Und einen erträglichen Montag :-) Schönen Gruß auch von Fab. Und hier der link zu einer der weltbesten Bands in der Nachbarschaft: Trouz! (Wer die Seite noch nicht kennt: Nicht von der Begrüßungsmusik schrecken lassen, lieber hier mal reinhören).
Kennenlernen, in´s Gespräch kommen, gegenseitige Sympathie spüren, gemeinsame Interessen entdecken. Geschichten, Bücher, Bilder. Beide wundern sich im Stillen: die Unterhaltung stockt nicht wie Unterhaltungen sonst stocken, er erzählt, sie lacht, sie erzählt, er hört zu. Beide sind sie ruhige Menschen, doch nicht jetzt, nicht zusammen. Dem Beobachter könnte der Gedanke an einen Funken kommen, einen Flirt, das Spiel zwischen Mann und Frau. Doch beide wissen: Sie ist nur ein bißchen zu alt, um als junge Frau zu gelten, er ein wenig zu jung, um als älterer Herr bezeichnet werden zu können. Distanz. Ein beinahe tragisch zu nennender Moment: Die Feststellung, daß man vor 20 Jahren viel Zeit in genau dem gleichen Raum verbracht hat. Er war damals einer derer, die sie tolll fand, zu denen sie sich sehr hingezogen fühlte. Sie war eins der für ihn naiven, viel zu jungen Mädchen, von denen er sich fern hielt. Andre hielten sich nicht fern. Er ging zu andren. Ob´s schade ist? Das weiss ich nicht.
Vor 55 Jahren.
Gestern im Aldi eine Tulpe geschenkt gekriegt, einfach so.
Vier und eine halbe Stunde am Stück geschlafen - fühl mich trotz der frühen Stunde lebendig und ausgeruht. Viereinhalb Stunden guten Schlafs sind ein Geschenk.
gestern blies der wind eisig. dieser eisige gegenwind trieb mir tränen in die augen.
Katakomben fliegen seit gestern in Nürnberg. Sehenswert!
Während ich durch den Regen laufe, mit hochgezogenen Schultern und gesenktem Kopf, an den Regenmantel mit Kapuze denkend, der zuhaus am Haken hängt, - es ist sehr viel Regen, der da unaufhörlich, ruhig, vom Himmel fällt - , während all dem fühle ich, daß etwas falsch ist. Und bemerke, daß ich das tue, was scheinbar alle tun, die ohne Regenmantel oder Schirm durch den Regen laufen: die Schultern hochziehen, den Blick nach unten wenden. Ich strecke mich, schaue nach vorne, Wasser läuft mir von den Haaren in´s Gesicht. Eine vergrabene Erinnerung: Barfuß springe ich lachend durch den Regen. Wann nur habe ich damit aufgehört? Und warum?
Ich mag Sturm und laue Brisen, Wind in jeder Form. Am meisten wohl den richtigen Wind. Dieser ist eher warm, darf keinesfalls wehtun durch Kälte. Bläst nicht zu stark, jedoch deutlich spürbar. Kennengelernt hab ich den richtigen Wind an der Nordsee und lange Zeit dachte ich, es gibt ihn nur dort. Im Laufe der Zeit hab ich ihn auch anderswo getroffen, zuletzt, heute, am Bahnsteig. Er gibt mir ein besonderes Gefühl des Alleineseins, selten fühle ich mich so verlassen, wie wenn der richtige Wind um mich weht. Das Besondere an diesem Gefühl des Alleineseins ist das Schöne daran. Es ist verbunden mit einem Gefühl des - ich finde kein andres Wort - Freiseins. Ich bin allein, ganz allein, und es schert mich nicht. Manchmal verlasse ich nachts das Haus und laufe ein Stück, manchmal stelle ich mich auf den Balkon. Um auf den Wind zu warten. Wenn die Fee käme, würde ich sagen: Ich möchte dem Wind nachlaufen, ihn überholen, um ihn dann erwarten zu können.
23.00 h
Nationalsozialismus. Wie immer in den Phasen, wenn das Thema das Thema ist, kaum Rausfinden. Eins führt zum Andrem, das Andre zum Nächsten. Google führt zu allerhand Dreck. Träume von Speer nehm ich hin, sollte Ribbentrop auftauchen, muss ich raus.
Bin froh, bei Google auch das zu finden.
ca. 2.00 h in der Nacht
Brecht hat Geburtstag: Klick
Puschkin hat Todestag.
Ich hab Hunger. Wo ist der Beweis, daß Zahnschmerzen nicht über hunderte von Kilometern ansteckend sind?
Gestern:
Entkräftet, mit verbundener Hand, im Chaos sitzen. Der Freund meines Sohnes will heute zum Übenachten kommen, mir ist nicht nach Besuch zumute, ich ruf dort an, doch nach der Reaktion kann ich nicht mehr absagen: "Wenn Du krank bist, helf ich Dir halt". Hilfe erwarte ich nicht, nur, daß sich an dem Durcheinander nicht gestört wird. Mein Sohn und ich schaffen noch einiges, es ist einigermaßen ok, als Michael kommt. Der sieht mich mit dem Trockentuch in der Küche und jagt mich schimpfend weg, das Tuch an sich nehmend. Fab hängt Wäsche auf, Michael saugt. Ich schau blöd. Am Abend wollen die beiden Video gucken, ich verzieh mich in´s Schlafzimmer. Als ich wieder komme, ist die Küche nicht nur sauber, sondern blitzt und blinkt (einschließlich der Auflaufformen im Backofen). "Ach, ich hab den Film schon öfter gesehen, mir war ein bißchen langweilig ...". Soviel zur Jugend von heute.
Heute morgen einen neuen Bildschirmhintergrund vorgefunden:
Hab gefragt, ich darf das zeigen und auch sagen, daß es sich um den legendären Michi Müller handelt :-)
Es tut verdammt gut, unkomplizierte Menschen um sich zu haben, und das ist das wirklich Wohltuende an der Geschichte, nicht, daß mein Sohn einen netten Freund hat, gerade in dem Alter keine Selbstverständlichkeit, nicht, daß dieser Freund mich akzeptiert und sogar mag, das alles ist gut und erfreulich, das Besondere ist - für mich - die Unkompliziertheit.
15.30 h
Schlagartiges Erwachen: kein sanftes Herausgleiten aus dem Schlaf mit der Zwischenphase, in der Träume vorsichtig betrachtet, bedacht, sortiert werden, - viel zu schnell bin ich da und im Augenblick des Übergangs eine Schnittmenge von Traum und richtiger Welt, in der alles wahr ist, und das ist zuviel. Überwältigt vom Zuviel in der Aufwachlage verharren, die Aufwachlage wie im Sarg (meine bevorzugte Einschlafposition, wenn ich unruhig, ängstlich bin - wenn ich mal tot bin und sich für eine Sargbestattung entschieden wird: ich will unbedingt eine Decke mit rein, zugedeckt bis zum Kinn will ich werden -).
Aufstehen, den Tag betasten, als hätte ich noch keinen erlebt, in der Wohnung orientieren, als sei ich hier neu, mich ordnen.
Der düsteren Phase eine Arschtritt verpassen, verzieh Dich endlich. Sie grinst mich an und meint, die letzten Tage hier bei mir hätten ihr zu gut gefallen, als daß sie nun schon gehen wolle. Achselzucken. Dann bleib. Keine Lust mich mit Dir zu streiten. Ignorieren, so weit es geht.
Die von der Zwischenphase hinterlassene Beklemmung hält an. Dabei waren die Träume gar nicht wirklich schlimm, objektiv betrachtet.
13.00 h
Fundstücke:
Auf der Suche im Netz nach Details zum Hoßbach-Protokoll jede Menge Dreck gefunden.
Von Isa in meiner mailbox gefunden: KLIXX (Bei mir hat´s gewirkt :-)
Nachts um halb 4 im chat:
senseless: [zu Älis] eine frage noch
Älis: hm
Älis: ja?
senseless: [zu Älis] hast du dich gefunden?
Älis: lach
senseless: unsicher schau
Älis: ich hab mit vielem jetzt gerechnet, aber nicht mit so einer frage, deshalb hab ich gelacht
senseless: hm
Älis: möglicherweise hab ich mal gefunden, aber vielleicht war ich es nicht, sondern ein fake, möglicherweise hab ich mich wieder verloren, vielleicht hab ich mich, ohne es zu wissen
Älis: manchmal bin ich mir zum greifen nah
Älis: und dann - patsch - dann fühl ich mich wie peter schlehmil
Älis: irgendwie so
Älis: frage beantwortet?
senseless: ja
Das war vor 2 Tagen und warum ich auf Peter Schlemihl (die Schreibweise werde ich nun nie mehr vergessen) kam, weiss ich nicht. Nachts um halb 4 kommen Worte von irgendwo her, mein Kopf ist daran nicht beteiligt.
aus dem ein und alles wird nichts |
| lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll |
Es kann kaum sinnvoll sein, aus jeder Not eine Tugend machen zu wollen, vorstellbar ist, daß manche Not eine Art Bagger ist, grabend, wühlend, zerfetzend, auf der Suche nach verschütteten Tugenden.
Weinen vor Glück, grundlos, das scheint ebenso paradox (oder absurd?) wie sich in´s eigene Fleisch schneiden, um keinen Schmerz zu spüren / um das schier Unhaltbare aushalten zu können.
Die Wärme der Sonne ist schön, rausgehen, die Helligkeit schmerzt in den Augen. Jaja, kein Licht ohne Schatten, man muss für alles im Leben bezahlen, - außer man verschließt die Augen.
Der Mond hat sie zurückgeschickt, lange bevor sie ihn erreichte, also ging sie zurück. Dort brodelte nach wie vor die Wut im Kessel, randhoch, sie verbrannte sich ein bißchen die Finger, als sie sachte den Deckel auflegte.
Für Geduldige, weil´s schön dort ist.
So ein Tag Anfang Februar, passend zur Zeit kommt er verkleidet daher, verkleidet als Frühlingstag.
Es beginnt also wieder zu flattern, das blaue Band, am Morgen gibt es Vogelkonzerte und Sonne auf mein schlafendes Gesicht (wenn ich vergessen sollte, die Jalousien herabzulassen), auf den Straßen Dröhnen von Motorrädern und aus Cabrios (im heutigen Fall - Smudo - ok), überall nackte Bäuche, die ich meist lieber nicht sehen würde.
Noch sind die Bäume unbelaubt und die Gerippe der Äste zeigen sich grandios im Gegenlicht unter blaublauem Himmel, milder Wind zaust an Haaren und ich spüre dieses milchige Gefühl, ein ungläubig gedämpftes Fühlen, ein altes Fühlen aus Kindertagen wieder mal ganz neu.
Und jeden Tag flattert sich auch was aus, das nimmt kein Ende (natürlich nicht). Sie war fast auf den Tag genau ein Jahr älter als ich, es ist lange, sehr lange her, ich war ein bißchen in ihren späteren Ehemann verknallt, sie kannte ich nur flüchtig und übermorgen wird sie begraben.
"Wer ist denn Hildegard Knef?" fragt mein Sohn und ich gestehe, daß ich nicht viel über sie weiß, ein geschenkter Gaul und rote Rosen fallen mir ein, war da nicht auch was mit toten Hosen? Ich seh ein altes, interessantes Frauengesicht, zu dick geschminkt und spöttisch lächelnd, nur verschwommen seh ich, und nur in schwarz-weiß, eine junge Hildegard Knef, höre diese Stimme, die meine Ohren immer zum Zuhören zwang, ob ich wollte oder nicht.
Im Elternhaus, als ich klein war, wurde manchmal von "der Knef" gesprochen, in ähnlichem Tonfall wie über Katja Ebstein oder Gitte gesprochen wurde. Diese Frauen kannte ich aus dem TV und mochte sie nicht. Hildegard Knef kannte ich nicht und mochte auch sie nicht, damals, wegen dem Tonfall. Hab mich nie weiter mit ihr beschäftigt, schade vielleicht.
Ein schöner Text, da lebte sie noch.